Internationaler Tag zur Beseitigung von Gewalt gegen Frauen

25.11.2019

Jede vierte Frau hat in ihrem Leben schon einmal körperliche und/oder sexuelle Gewalt durch ihren Lebenspartner erfahren, jede siebte Frau ist nachweislich betroffen. Es zeigt die große Dunkelziffer deutlich, denn aufgrund fehlendes Mutes und mangelnder Unterstützung werden nur wenige Ge-walttaten zur Anzeige gebracht. Darüberhinaus starben laut Zahlen des BKA allein im letzten Jahr 147 Frauen durch die Hand ihres Partners oder Expartners.

Nach der Benennung dieser Fakten ist es im Saal des Kreishauses in der Sitzung des Arbeits- und Sozialausschusses still und Frau Thiel und ihre Kolleginnen stellen ihre Arbeit vor. Die Schwerpunk-te der Arbeit des Frauenzentrums liegen in der Prävention, Beratung, Öffentlichkeitsarbeit und Netzwerkarbeit. Das Spektrum hierbei ist groß und deckt von Schwangerschaftsberatung über psy-chologische Beratung bis zur Hilfestellung bei häuslicher Gewalt alles ab. All dies unabhängig von Religionszugehörigkeit und Nationalität, kostenlos, vertraulich und auf Wunsch auch anonym. Ge-bündelt wird die Arbeit des Vereins im Kooperations- und Interventionskonzept, kurz KIK. Dies ist ein lokales Bündnis, in dem sich alle Einrichtungen und Institutionen mit dem Schwerpunkt häusli-cher Gewalt als Netzwerk zusammengeschlossen haben, um Erfahrungen auszutauschen und in einer Notsituation schnell Handlungsfähigkeit zu erlangen.
Auf der Internetseite des Frauenzentrum Schleswig e.V. wird mit einer kurzfristigen Terminvergabe geworben, uns teilen sie jedoch offen mit, dass im Notfall immer jemand zu erreichen ist. Rund um die Uhr, denn der Einsatz für die Frauen sei eine Herzensangelegenheit.

70% der Gewalt fände in der eigenen Wohnung statt. Frau Thiel hebt hervor, dass sich der Verlust des eigenen Zuhauses als sicheren Ort besonders stark auf die Psyche der Frauen auswirke. Erst einmal den Mut gefasst, sich in die helfenden Arme des Vereins zu begeben und dem eigenen siche-ren Rückzugsort beraubt, bleibt für viele betroffene Frauen zum eigenen Schutz nur noch die Ver-mittlung in ein Frauenhaus. Diese Plätze seien jedoch sehr rar und der Wunsch nach Planungssicher-heit groß, das nächstgelegene Frauenhaus befindet sich in Flensburg oder Rendsburg. Meist können diese jedoch keine Plätze vorhalten, so Thiel, sodass vielen Frauen die Vermittlung im gesamten Landesgebiet bis nach Hamburg bleibe.

Walter Behrens, Fraktionsvorsitzender der CDU-Fraktion, bedankt sich anschließend für den in-formativen Beitrag des Frauenzentrum Schleswig e.V.. Bisher wären nach Anfrage keine nennens-werten Zahlen bekannt, die den Bedarf an Frauenhausplätzen im Kreis Schleswig-Flensburg ver-deutlicht hätten. Wichtig wäre es jedoch den Betroffenen auch im Kreisgebiet eine Perspektive zu bieten, sodass die CDU sich dafür einsetze, die Gewährleistung des benötigten Wohnraumes voran-zutreiben und eine möglichst kostenneutrale Finanzierung eines Frauenhauses zu prüfen.